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Die
Schmerzklinik ist
nach § 40 SGB V von allen
gesetzlichen Krankenkassen als
Rehabilitationseinrichtung anerkannt und auch beihilfefähig (OPS
8-918).
TRIGEMINUSNEUROPATHIE
(Trigeminusaffektion)
Zunächst zur Anatomie (= Lehre vom Bau und Zustand des Körpers)
Ein Ast des N. (= Nervus) ophthalmicus ist der N. frontalis, diesem entstammt der sensible (= die Empfindung betreffende) N. supraorbitalis, der durch das gleichnamige Foramen am oberen Rand der Augenhöhle (Orbita) zum Oberlid (auch Bindehaut) und Stirn zieht.
Der N. infraorbitalis ist der Haupt- und Endast des N. maxillaris (V2), er gelangt durch das Foramen infraorbitale zum Gesicht neben der Nase einschließlich Oberlippe.
Der N. mentalis gelangt durch das Foramen mentale zur Haut des Kinns und der Unterlippe. Er entstammt dem N. alveolaris inferior, ein Ast der N. mandibularis.
Der Begriff bzw. Wortteil Neuropathie setzt sich zusammen aus "neuro" (= Nerv, einen Nerven betreffend) und "pathie" (= Leiden, Schaden, Krankheit). Unter einer Trigeminusneuropathie versteht man also ganz einfach eine Erkrankung des Trigeminusnervs. Der Begriff Trigeminusaffektion bedeutet das gleiche.
Eine Trigeminusneuropathie kommt hauptsächlich in zwei Formen vor:
Die Trigeminusneuralgie betrifft am häufigsten die Äste V2 (= Oberlippe / Wange) (18 %) und V3 (= Unterkiefer) (14 %) entweder allein oder in Kombination (37-40 %). Der alleinige Befall von V1 (= Stirn) kommt nur bei ca. 1-5 % der Patienten vor. In 3-5 % kann diese Schmerzkrankheit beiderseits auftreten.
Diese Schmerzerkrankung ist gekennzeichnet durch:
Medikamentöse Schmerzbehandlung:
Als Mittel der ersten Wahl gelten bei der
Trigeminusneuralgie die Antiepileptika
(= Mittel gegen die Fallsucht,
aber auch bei diesen
Schmerzen wirksam)
Gabapentin oder Pregabalin, als 2. Wahl Carbamazepin. Die Dosierung soll langsam einschleichend erfolgen. Antiepileptika sollen nicht abrupt abgesetzt werden, sondern langsam
ausschleichend über mindestens 10 Tage. Allzu schnelle Dosisreduktion oder
abruptes Absetzen führen meist zu heftigsten
Schmerzattacken.
Die Kombination mit Baclofen kann Antiepileptika einsparen.
Sehr bewährt hat sich zur Schmerztherapie auch die therapeutische Lokalanästhesie (= Behandlung mit einem örtlichen Betäubungsmittel bzw. Lokalanästhetika) (Lees er et Hef ermann 1989 Schmer zklinik Bad Mergen theim). Dabei werden stationär je nach individueller Wirkzeit 2-3 x täglich die betroffenen Gesicht snerven an ihren Austrittspunkten (Foramen supraorbitale, infraorbitale oder mentale) mit ca. 1 ml Bupivacain 0,5% blockiert.
| Sind die Trigeminusäste 2 (N. maxillaris) und/oder 3 (N. mandibularis) betroffen, ist eine zusätzliche Leitungsanästhesie durch die Incisura mandibulae (= Einbuchtung des Unterkiefer s nahe am Kiefergelenk) hindurch mit jeweils ca. 1,5-2 ml Bupivacain (0,5%) sehr hilfreich. | Incisura mandibulae
Quelle: |
|
Nächst höhere Therapiestufen sind dann engmaschig wiederholte Blockaden des Ganglion cervicale superius*oder Ganglion stellatum (= Schaltstellen im unwillkürlichen Nervensystem im hinteren Rachen - bzw. seitlichen Halsbereich).
Unter dieser konsequenten, täglichen Therapie kann dann eine bestehende Antikonvulsiva-Medikation langsam ausschleichend reduziert werden, ohne daß heftige Schmerzattacken auftreten.
Atypischer Gesichtsschmerz:
Die aktuellere Bezeichnung lautet: anhaltender oder
persistierender idiopathischer Gesichtsschmerz.
Dieser Begriff bezeichnet einen
Gesichtsschmerz,
der zwar vorwiegend im Bereich des Nervus tr igeminus, jedoch
nicht streng paroxysmal
(= anfallsartig) auftritt. Fälschlicherweise wird
dieser
Gesichtschmerz
(atypischer) häufig als
Trigeminusneuralgie
bezeichnet. Bei vorwiegendem Befall des
Oberkiefer
s kann es zu einer Verwechslung mit dem
Costen-Syndrom
kommen.
Diese
Trigeminusneuropathie
bzw. Trigeminusaffektion
ist auch daran erkennbar, daß die
Schmerz
region in der Regel nicht mit dem Ausbreitungsgebiet des mutmaßlich
betroffenen Nervenastes identisch ist, nicht selten sind auch beide
Gesicht
shälften betroffen. Es sind keine deutlichen Triggermechanismen
(= Auslösemechanismen)
vorhanden, weshalb auch Triggerzonen meist fehlen.
Überwiegend klagen die Patienten mit einem Gesichtschmerz (atypischer) über
Dauerschmerzen bzw.
länger an
haltende Schmerzsensationen, die sich aber auch anfallsartig verstärken
können. Häufig liegt bei diesem Gesichtsschmerztyp eine psychische
Überlagerungen vor (z.B. depressive Verstimmung, psychovegetative Labilität,
neurotische Verhaltensstörungen).
Häufig ist bei einer Trigeminusneuropathie die körperliche
Untersuchung völlig unauffällig. Teilweise sind die korrespondierenden
NAP
(=
Nervenaustrittspunkte)
(Foramen supraorbitale, infraorbitale und mentale) druckdolent
(= druckschmerzhaft).
Die Beschreibung der Schmerzqualität ist uneinheitlich, teilweise wird brennend
angegeben, manchmal dumpf und drückend.
Schmerztherapie
Zur Therapie dieser
Trigeminusneuropathie
können wie bei der id
iopathischen
Trigeminus-Neuralgie
Antikonvulsiva (=
krampflösende Mittel)
(z.B. Carbamazepin, Gabapentin,
Pregabalin) versucht werden, allerdings fällt die Erfolgsquote geringer als bei
der
Trigeminus-Neuralgie
aus. Ähnliches gilt für die Verordnung von Baclofen in Kombination mit
einem Antikonvulsivum.
Aus unserer Sicht heraus ist bei atyp ischen
Gesichtsschmerzen
das Mittel der Wahl eher ein
Antidepressivum. Vereinzelt sprechen die Beschwerden auf einfache
Analgetika
(=
Schmerzmittel) wie ASS oder
Paracetamol an.
Manchmal hilft auch ein Gemisch aus Uridin- und Dinatriumsalzen (Keltican®).
Tri- oder tetrazyklische
Antidepressiva eignen sich auch zur Prophylaxe
(= Vorbeugung) eines episodenhaft
auftretenden
Gesichtsschmerz
es.
Diese
Trigeminusneuropathie spricht
zufriedenstellend auf die
therapeutische Lokalanästhesie
(= Behandlung mit einem örtlichen Betäubungsmittel bzw.
Lokalanästhetika) an, z.B. mit
dem lang wirkenden
Lokalanästhetikum
Bupivacain (0,25-0,5%). Dabei werden 2-3 x täglich die betroffenen Gesichts
nerven
an ihren Austrittspunkten (Foramen supraorbitalis, infraorbitalis oder mentalis)
blockiert und das dominante Schmerzareal flächenhaft infiltriert (Lees er
et Hefe rmann
1989). Treten begleitend auch
Kieferschmerzen
auf, so müssen zusätzlich
Leitungsblockaden
der Nerven maxillaris (Oberkiefer)
und/oder mandibularis (Unterkiefer)
in der Incisura mandibulae
(= eine Einbuchtung zwischen
Gelenk
- und Kronenfortsatz des
Unterkiefers)
durchgeführt werden.
In hartnäckigen Fällen kann auch bei dieser Trigeminusneuropathie die Durchführung von
Gangl
ion cerv icale super
ius*- oder
stellatum-Blockade
n
(= Betäubung vegetativer
Schaltstellen im
Rachen
- oder seitlichen
Halsbereich)
in engmaschiger Abfolge versucht werden.
* Die Blockade des Ganglion cervicale superius erfolgt als GLOA (= Blockade mit einem Opium-ähnlichen Wirkstoff), der Nachteil gegenüber der Verwendung eines Lokalanästhetikums (= örtliches Betäubungsmittel) ist aber, daß die Wirkung auch bei wiederholter Anwendung kaum anhaltend ist, da die sympathikolytische (= gefäßerweiternde) Komponente nur gering oder gar nicht ausgeprägt ist.
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