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TRIGEMINUSNEUROPATHIE
(Trigeminusaffektion)

Zunächst zur Anatomie (= Lehre vom Bau und Zustand des Körpers)

Der Begriff bzw. Wortteil Neuropathie setzt sich zusammen aus "neuro" (= Nerv, einen Nerven betreffend) und "pathie" (= Leiden, Schaden, Krankheit). Unter einer Trigeminusneuropathie versteht man also ganz einfach eine Erkrankung des Trigeminusnervs. Der Begriff Trigeminusaffektion bedeutet das gleiche.

Eine Trigeminusneuropathie kommt hauptsächlich in zwei Formen vor:

  1. Trigeminusneuralgie
  2. Atypischer Gesichtsschmerz (persistierender bzw. anhaltender idiopathischer Gesichtsschmerz)

Die Trigeminusneuralgie betrifft am häufigsten die Äste V2 (= Oberlippe / Wange) (18 %) und V3 (= Unterkiefer) (14 %) entweder allein oder in Kombination (37-40 %). Der alleinige Befall von V1 (= Stirn) kommt nur bei ca. 1-5 % der Patienten vor. In 3-5 % kann diese Schmerzkrankheit beiderseits auftreten.

Diese Schmerzerkrankung ist gekennzeichnet durch:

Medikamentöse Schmerzbehandlung:
Als Mittel der ersten Wahl gelten bei der Trigeminusneuralgie die Antiepileptika
(= Mittel gegen die Fallsucht, aber auch bei diesen Schmerzen wirksam) Gabapentin oder Pregabalin, als 2. Wahl Carbamazepin. Die Dosierung soll langsam einschleichend erfolgen. Antiepileptika sollen nicht abrupt abgesetzt werden, sondern langsam ausschleichend über mindestens 10 Tage. Allzu schnelle Dosisreduktion oder abruptes Absetzen führen meist zu heftigsten Schmerzattacken. Die Kombination mit Baclofen kann Antiepileptika einsparen.

Sehr bewährt hat sich zur Schmerztherapie auch die therapeutische Lokalanästhesie (= Behandlung mit einem örtlichen Betäubungsmittel bzw. Lokalanästhetika) (Lees er et Hef ermann 1989 Schmer zklinik Bad Mergen theim). Dabei werden stationär je nach individueller Wirkzeit 2-3 x täglich die betroffenen Gesicht snerven an ihren Austrittspunkten (Foramen supraorbitale, infraorbitale oder mentale) mit ca. 1 ml Bupivacain 0,5% blockiert.

Sind die Trigeminusäste 2 (N. maxillaris) und/oder 3 (N. mandibularis) betroffen, ist eine zusätzliche Leitungsanästhesie durch die Incisura mandibulae (= Einbuchtung des Unterkiefer s nahe am Kiefergelenk) hindurch mit jeweils ca. 1,5-2 ml Bupivacain (0,5%) sehr hilfreich. Incisura mandibulae

Quelle:
www.uni-mainz.de

Nächst höhere Therapiestufen sind dann engmaschig wiederholte Blockaden des Ganglion cervicale superius*oder Ganglion stellatum (= Schaltstellen im unwillkürlichen Nervensystem im hinteren Rachen - bzw. seitlichen Halsbereich).

Unter dieser konsequenten, täglichen Therapie kann dann eine bestehende Antikonvulsiva-Medikation langsam ausschleichend reduziert werden, ohne daß heftige Schmerzattacken auftreten.


Atypischer Gesichtsschmerz:
Die aktuellere Bezeichnung lautet: anhaltender oder persistierender idiopathischer Gesichtsschmerz. Dieser Begriff bezeichnet einen Gesichtsschmerz, der zwar vorwiegend im Bereich des Nervus tr
igeminus, jedoch nicht streng paroxysmal (= anfallsartig) auftritt. Fälschlicherweise wird dieser Gesichtschmerz (atypischer) häufig als Trigeminusneuralgie bezeichnet. Bei vorwiegendem Befall des Oberkiefer s kann es zu einer Verwechslung mit dem Costen-Syndrom kommen.
Diese
Trigeminusneuropathie bzw. Trigeminusaffektion ist auch daran erkennbar, daß die Schmerz region in der Regel nicht mit dem Ausbreitungsgebiet des mutmaßlich betroffenen Nervenastes identisch ist, nicht selten sind auch beide Gesicht shälften betroffen. Es sind keine deutlichen Triggermechanismen (= Auslösemechanismen) vorhanden, weshalb auch Triggerzonen meist fehlen.
Überwiegend klagen die Patienten mit einem Gesichtschmerz (atypischer) über Dauerschmerzen bzw. länger an
haltende Schmerzsensationen, die sich aber auch anfallsartig verstärken können. Häufig liegt bei diesem Gesichtsschmerztyp eine psychische Überlagerungen vor (z.B. depressive Verstimmung, psychovegetative Labilität, neurotische Verhaltensstörungen).

Häufig ist bei einer Trigeminusneuropathie die körperliche Untersuchung völlig unauffällig. Teilweise sind die korrespondierenden NAP (= Nervenaustrittspunkte) (Foramen supraorbitale, infraorbitale und mentale) druckdolent (= druckschmerzhaft). Die Beschreibung der Schmerzqualität ist uneinheitlich, teilweise wird brennend angegeben, manchmal dumpf und drückend.


Schmerztherapie

Zur Therapie dieser Trigeminusneuropathie können wie bei der id iopathischen Trigeminus-Neuralgie Antikonvulsiva (= krampflösende Mittel) (z.B. Carbamazepin, Gabapentin, Pregabalin) versucht werden, allerdings fällt die Erfolgsquote geringer als bei der Trigeminus-Neuralgie aus. Ähnliches gilt für die Verordnung von Baclofen in Kombination mit einem Antikonvulsivum.
Aus unserer Sicht heraus ist bei atyp
ischen Gesichtsschmerzen das Mittel der Wahl eher ein Antidepressivum. Vereinzelt sprechen die Beschwerden auf einfache Analgetika (= Schmerzmittel) wie ASS oder Paracetamol an.
Manchmal hilft auch ein Gemisch aus Uridin- und Dinatriumsalzen (Keltican®).
Tri- oder tetrazyklische Antidepressiva eignen sich auch zur Prophylaxe
(= Vorbeugung) eines episodenhaft auftretenden Gesichtsschmerz es.

Diese Trigeminusneuropathie spricht zufriedenstellend auf die therapeutische Lokalanästhesie (= Behandlung mit einem örtlichen Betäubungsmittel bzw. Lokalanästhetika) an, z.B. mit dem lang wirkenden Lokalanästhetikum Bupivacain (0,25-0,5%). Dabei werden 2-3 x täglich die betroffenen Gesichts nerven an ihren Austrittspunkten (Foramen supraorbitalis, infraorbitalis oder mentalis) blockiert und das dominante Schmerzareal flächenhaft infiltriert (Lees er et Hefe rmann 1989). Treten begleitend auch Kieferschmerzen auf, so müssen zusätzlich Leitungsblockaden der Nerven maxillaris (Oberkiefer) und/oder mandibularis (Unterkiefer) in der Incisura mandibulae (= eine Einbuchtung zwischen Gelenk - und Kronenfortsatz des Unterkiefers) durchgeführt werden.
In hartnäckigen Fällen kann auch bei dieser Trigeminusneuropathie die Durchführung von Gangl
ion cerv icale super ius*- oder stellatum-Blockade n (= Betäubung vegetativer Schaltstellen im Rachen - oder seitlichen Halsbereich) in engmaschiger Abfolge versucht werden.

* Die Blockade des Ganglion cervicale superius erfolgt als GLOA (= Blockade mit einem Opium-ähnlichen Wirkstoff), der Nachteil gegenüber der Verwendung eines Lokalanästhetikums (= örtliches Betäubungsmittel) ist aber, daß die Wirkung auch bei wiederholter Anwendung kaum anhaltend ist, da die sympathikolytische (= gefäßerweiternde) Komponente nur gering oder gar nicht ausgeprägt ist.

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